![Geräusch Ein Aus: innerhalb [außerhalb] der reflexionsarmen Kammer](https://static.wixstatic.com/media/201a60_2c8ba79b1b4d4974a31c540a1515e692~mv2.png/v1/fill/w_120,h_120,al_c,q_85,usm_0.66_1.00_0.01,enc_avif,quality_auto/puntoglitch.png)
Prozess
Welche Form haben Stille und Lärm im digitalen Zeitalter?
Diese Seite offenbart den Rückblick auf eine künstlerische Untersuchung, die sich über mehr als zwei Jahrzehnte erstreckt: ein Weg, der mit der Suche nach einer eigenen Sprache beginnt, sich über die Untersuchung des Lärms in seiner reinen, politischen Natur fortsetzt und in der Annäherung an und Reflexion über die Störungen der digitalen Zeit gipfelt.
Der Prozess beginnt mit der aktiven Verschmelzung analoger (Gravur, Zeichnung, Collage) und digitaler Elemente (Audio, Code, Glitch). Diese Arbeit untersucht die Entwicklung und die Aspekte der angewandten Hybridmethodik in Bezug auf Bildbearbeitung, den Programmieransatz (mit Sonic Pi und Python), die Arbeit mit Klangfrequenzen und den Vorschlag des Projekts „Subversive Love Collective“. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Interferenz – ein Kennzeichen unserer Zeit – zum Rohmaterial dieses integrierten digitalen Kunstwerks wird.
Der Prozess: Künstlerische Forschung und die Evolution des Lärms .
Die in dieser Retrospektive präsentierten Arbeiten sind Teil der Dokumentation eines Weges, der mit dem Lärm als Studienobjekt begann und sich hin zur Reflexion der visuellen und akustischen Störungen unserer digitalen Zeit entwickelte.
Der kreative Prozess, der sich über mehr als zwei Jahrzehnte erstreckt, ist aus der ständigen Konvergenz analoger und digitaler Methoden entstanden.
I. Die konzeptionelle Evolution: Vom gebrochenen Schweigen zum digitalen Paradoxon.
Die konzeptionelle Grundlage dieser Retrospektive liegt in der Negation der Stille. Wenn John Cage die Unmöglichkeit biologischer Stille im reflexionsarmen Raum demonstrierte, so versucht meine Arbeit, dieses Paradoxon auf das Informationszeitalter zu übertragen: Rauschen ist die ständige Störung, die die digitale Existenz prägt.
Ausgangspunkt war die Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Rauschens in seiner plastischen Form aus einer persönlichen Perspektive. Die Beobachtung der Umwelt und des politischen Lärms (z. B. Caracas-Lärm, venezolanische Politik, Vogelgezwitscher, Face-to-Face-Gespräche) führte mich zu dem Verständnis, dass Rauschen Ausdruck natürlicher, sozialer und psychologischer Störungen ist. Das Konzept erweiterte sich: Rauschen wird heute als die Ereignisse verstanden, die sich in digitaler Zeit entfalten und sich als Informationsüberflutung und ständige Fragmentierung manifestieren. Die Arbeit ist somit ein kontinuierlicher Dialog zwischen dem Langsamen (der Beständigkeit des Analogen) und dem Schnellen (dem Datenfluss).
II. Genealogie der Praxis: Hybridisierung und materieller Bruch
Meine künstlerische Auseinandersetzung begann in der Werkstatt, wo technisches Experimentieren und das Spiel mit Kontrasten einen Kontrapunkt zwischen dem handwerklich-akademischen und der Freiheit des Eingriffs bildeten.
-
Plastische Grundlagen und Glitch: Die Arbeit mit grafischen Techniken konzentrierte sich auf die Collage (Kreiscollagen) als ständige Praxis der visuellen Fragmentierung. Der Prozess nutzte technische Fehler und adaptierte sie, indem er den Fehler (Glitch) als wesentlichen Bestandteil der Komposition begriff.
-
Materieller und klanglicher Bruch: In dieser Phase lag der Fokus auf der Materialhybridisierung (Shadows, Squares, Circles – CDs), indem unkonventionelle Elemente und ausrangierte Technologie (CDs) als Matrix und Referenz für Klänge eingesetzt wurden. Dies markierte den formalen Beginn meiner Auseinandersetzung mit Musikproduktionssoftware.
-
Subversion des Trägers: Die Aneignung von Modekatalogen (Subvertierte Kataloge - Papierlandschaften) war eine Schlüsselaktion, bei der in sie eingegriffen wurde, um ihre Botschaft umzulenken und ihre chromatischen Qualitäten hervorzuheben oder ihre Figuren wiederzuverwenden (Gesichter und Blicke einer Landschaft).
-
Die digitale Wende: Angesichts begrenzter Werkzeuge und des eingeschränkten Zugangs zur Druckwerkstatt verlagerte sich die Arbeit ins Digitale (Fragmentierte Gemälde: Grafische Variationen); der Fokus lag auf figurativer Abstraktion und der Erforschung der Möglichkeiten der Bildbearbeitung als neue Studienform, die mit analogen und digitalen Grafikdrucktechniken umgesetzt werden sollte.
III. Konvergenzmethodik: Rauschen als Daten und Vorzeichen
Die derzeitige Praxis basiert auf der Konvergenzmethodik, bei der Rauschen analysiert und in Daten umgewandelt wird, die im Bild und Ton artikuliert werden.
-
Aktive Geräuscherfassung und -analyse: Geräusche werden durch Stadterkundungen, Beobachtung natürlicher Phänomene und die Messung der Entfernung bzw. Nähe zwischen Objekten (gefundene Gegenstände, die einst Geräusche erzeugten) gesammelt. Die Aufnahmen erfolgen mithilfe von Fotografien, Feldaufnahmen sowie grafischen und akustischen Ressourcen aus dem Internet und werden anschließend mit Open-Source- und kommerzieller Audioproduktionssoftware bearbeitet.
-
Das Herz als politisches Geräusch: Die Entstehung des Herzsymbols war ein Akt der Kritik und Satire. Ausgehend von seiner Verwendung in Wahlmanipulationskampagnen dekonstruiert das Werk es, um Momente der Gewalt zu schildern und das manipulierte Zeichen in ein kunstkritisches Werk zu verwandeln (Venezuela Politics - Postcards).
-
Sprache als Rauschen – Algorithmische Intervention: Die Arbeit geht von der Prämisse aus, dass Sprache ihrem Wesen nach eine Form von Rauschen ist. Diese Idee wird in der Reihe „Textblöcke“ umgesetzt, in der Texte und Wörter mithilfe von Python und Sonic Pi kodiert werden.
-
Der Code: Er dient dazu, Syntax in Kompositionen zu übersetzen, in denen tonales und atonales Rauschen vermischt wird. So werden Wiederholung und Rhythmus der in Klang transformierten Sprache erforscht. Auch grafisches Rauschen kommt zum Einsatz und erzeugt visuelle Kompositionen, Glitches und Muster, die die verborgene Struktur des Textes offenbaren. Ziel ist es, die Reibung zwischen Kommunikation und digitaler Interferenz aufzuzeigen.
-
Daten als Rohmaterial: Elemente, die der Manipulationssoftware inhärent sind (das Histogramm oder die Wellenformen), werden dekontextualisiert und als grafische Ressourcen verwendet (Virtuelle Landschaft - Histogramme), wobei die strukturelle Wechselbeziehung zwischen Bild und Ton gesucht wird.
-
Audiovisuelle Erkundung: Die Kompositionen (Geräusche - Video) basieren auf der Mischung von Klanglandschaften und Musik mit Geräuschen, wodurch die animierte Verschmelzung von visuellem und akustischem Material erreicht wird, um die Beziehungen von voll-leer, Sättigung-Überlagerung usw. zu erforschen.
IV. Virtuelle Installationen: Aktivierung von Lärm
Die virtuellen Installationen sind nicht bloß ein Ausstellungsbestandteil, sondern interaktive Elemente, die den Betrachter spielerisch mit den Widersprüchen digitaler Störungen konfrontieren. Ihr konzeptioneller Fokus liegt auf der Erforschung dessen, was innerhalb und außerhalb des Lebensraums (des Körpers), des physischen Raums und des virtuellen Raums existiert – aus der Perspektive der individuellen Realität jedes Betrachters.
Digitale Zeit: Rauschen und permanente Reibung
Die digitale Zeit beschreibt, wie das Internet unser Leben verändert hat. „Ein komplexer Ort, der eine Kluft zwischen Realität und Existenz schafft. In diesem Ökosystem ständigen Rauschens finden wir vielfältige Möglichkeiten, die unser Leben zwar bereichern, es aber gleichzeitig exponentiell komplexer machen.“
Aktuell sieht sich El Tiempo Digital mit fünf größeren Konflikten oder „Reibungen“ konfrontiert, die es hervorzuheben gilt:
Paradox des Gedächtnisses (Das unmögliche Vergessen):
Das Internet vergisst nie etwas. Was wir vor Jahren getan oder gesagt haben, ist immer noch da, wie eine schwere Last, die wir nicht loswerden.
Informationsparadoxon (Datenüberflutung):
Wir haben Zugang zu mehr Informationen als je zuvor, doch die Informationsflut ist so groß, dass wir den Überblick verlieren und nicht mehr wissen, was wichtig oder wahr ist. Unsere Aufmerksamkeit ist ständig zersplittert.
Paradox der Verbindung (Begleitete Einsamkeit – Performative Identität):
Wir sind mit Tausenden von Menschen vernetzt, doch diese Verbindung ist oft oberflächlich. Selbst mit dem Handy in der Hand fühlen wir uns einsam. Außerdem verhalten wir uns, als spielten wir Theater, und zeigen uns von unserer besten Seite, um mit anderen in Kontakt zu treten.
Paradox der Geschwindigkeit (Die ewige Wiederkehr):
Wir erleben Unmittelbarkeit, und in unserer digitalen Realität verändern sich die Dinge rasant, doch unser reales Leben fühlt sich stagnierend an. Wir stöbern und scrollen ständig durch dieselben Inhalte, deren Erscheinungsbild sich zwar häufig ändert, deren Botschaft aber dieselbe bleibt – der ewige Gedankenkreislauf. Multitasking gibt uns das Gefühl, beschäftigt zu sein, mindert aber unsere Produktivität.
Paradox des Sehens (Die Echokammer):
Das Internet zeigt uns nur das, was wir hören und sehen wollen. Wir leben in einem
(Echokammer), in der unsere Ideen wiederholt werden und die Regeln, die die Programme und Algorithmen steuern, die wir sehen, geheim sind (Algorithmische Undurchsichtigkeit).
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die digitale Zeit ist ein ständiges Spannungsverhältnis zwischen dem, was uns die Technologie verspricht, und dem, wie sie uns als Menschen tatsächlich beeinflusst.
Die Stiftung des Subversive Love kollektivs
Das Subversive Love Collective entstand aus künstlerischer Forschung, die durch die ständige Verschmelzung analoger und digitaler Methoden geprägt wurde. Unsere Entwicklung bildet den konzeptionellen Rahmen, der unsere heutige Vision formalisiert.
Es entsteht eine multidisziplinäre Einheit mit der Mission, verschiedene persönliche Visionen rund um das Thema „Liebe“ (visuell und auditiv) zu vereinen und dabei die Reichweite des Internets als Mittel zu nutzen, um aktiv aus verschiedenen Räumen und über Grenzen hinweg in die alternative und kulturelle Szene einzugreifen.
Unser Hauptaugenmerk liegt auf „Kunst als vitaler Lebensstrom“ und „Gebrauchskunst“, die spielerische und formale Praktiken vereinen. Wir möchten individuelles und kollektives kritisches Denken anregen, indem wir Kunstwerke auf multidisziplinäre Erfahrungen und Alltagsgegenstände übertragen und Kunst so als aktiven Motor des Wandels fördern.
Der Laden als Ergebnis
Die Einbindung des Online-Shops ist nicht bloß ein kommerzieller Bestandteil, sondern der letzte Akt und Höhepunkt dieser Retrospektive. Sie verdeutlicht das Schicksal der Kunst im Zeitalter der Informationsflut und der digitalen Zeit.
Durch die Massenproduktion von Print-on-Demand-Objekten verliert das ausgestellte Kunstwerk bewusst seine „Aura“ (Walter Benjamin), nicht nur aufgrund seiner Reproduzierbarkeit, sondern auch, weil es zur Überflutung mit Objekten und Daten beiträgt, die unseren Konsum prägt. Dieser Prozess zerstört nicht das Wesen, sondern vollendet es kritisch und spielerisch und führt das Konzept des Rauschens zur finalen Stufe der Kommerzialisierung.
Abschluss:
Die Verschiebung des Zeichens und das integrale Werk: Die Serien und Themen, aus denen diese Retrospektive besteht, werden durch den konzeptuellen Faden des Rauschens zusammengehalten; dieser hat sich von der grafischen Darstellung der gelebten Zeit zur Erforschung der digitalen Realität entwickelt.
Diese Website ist als persönlicher, reflexionsarmer Raum konzipiert und versteht sich als umfassendes digitales Kunstwerk. Ziel ist es nicht nur, auszustellen, sondern eine Umgebung zu schaffen, in der das Stöbern, die Auseinandersetzung mit Intimität und der Kauf inmitten einer lauten Umgebung Teil des Prozesses werden. Das Werk existiert in seiner Gesamtheit, aktiviert und vollendet sich in der Begegnung mit dem Betrachter. Mit dem Versprechen auf Fortsetzung und Erweiterung befinden sich die Projekte „Subversive Love Collective“ und „For the Birds“ derzeit in Entwicklung.
Danksagungen
Ich bin allen, die direkt oder indirekt an diesem Lebens- und Forschungsprojekt beteiligt waren, zutiefst dankbar. Vielen Dank für eure Unterstützung und Inspiration.
